Von der Suche zum inneren Frieden
Nun sitz ich hier wieder an einen wunderschönen Ort in Spanien. Ich schaue auf die Bucht von Tarifa hinunter und sehe dahinter die bergige Küste Afrikas.
Gestern sind wir in der Nähe von Gibraltar angekommen und können es gar nicht richtig glauben, dass wir doch schon so weit unten in Europa sind und Afrika ganz nah sehen können.
Hier an der Meerenge von Gibraltar verändert sich die Landschaft plötzlich. Es gibt tatsächlich grüne Wiesen und Bäume und es ist infach nur wundervoll, barfuss durchs Gras zu laufen.
Jedoch hat sich nicht nur die Landschaft verändert, sondern auch in uns ist sehr viel in Bewegung und in der Transformation.
So ein Reiseleben ist nicht immer nur FriedeFreudeEierkuchen und SuperDuperToll, wie es vielleicht auf vielen anderen ReiseAccounts so dargestellt wird. Es gibt definitiv Momente, da könnte ich einfach laut schreien und davonlaufen. Momente, in denen mir die doch schon sehr komfortable Größe von Charly einfach viel zu eng ist.
Es gibt Momente voller Chaos, weinenden oder bockigen Kindern, Tränen auch auf unserer Seite – weil plötzlich die Ängste der Veränderung den Raum betreten, mitten in der Nacht brechenden Kindern und damit verbundenen Wäschebergen, genervte Stellplatzsuche im Dunkeln, defekter Kühlschrank und ausgelaufener Wassertank.
Eigentlich wie immer, nur auf engstem Raum. 😉
Es gab die letzten Wochen definitiv Momente zum abgewöhnen und umkehren, jedoch auch tausende, mit Fülle und Freude gesegneter Momente.
Osho hat schon geschrieben: ‚Ein guter Tag ist erst dann ein guter Tag, wenn alle Emotionen darin vorgekommen sind.’ Und genauso ist es auch. Alles darf sein. Jedes Gefühl hat seine Berechtigung und jede Situation seine Schätze. Wir dürfen Sie nur annehmen und aufhören gegen das Leben zu kämpfen.
Bei den meisten Menschen ist der ganze Tag verloren, nur weil eine Sache nicht optimal gelaufen ist. Wenn wir jedoch alle beginnen würden im HIER und JETZT zu leben, einfach im Moment sind, dann ist NUR ein kleiner Teil des Tages blöd und der Rest ganz wunderbar – es ist wie immer eine Frage der Betrachtungsweise.
Es gibt natürlich in uns allen den Teil, der immer alles in perfekter Harmonie hätte. Jedoch ist dies einer der gut konditerten Anteile in uns und einer, der immer absolute Sicherheit braucht. Die anderen Teile, die nach Veränderung und Heilung streben, sind dankbar für all die Momente des Lernens und der Erfahrungen – ich wachse mit ihnen. Mit allen Momenten in denen ich über meine ‚Komfortzone‘ hinausgehe, ENT-wickle ich mich.
Ich kann nur wachsen, wenn ich meine Grenzen verlasse, wenn ich etwas anders mache und Neues kennenlerne und mich auf Unbekanntes einlasse – und genau das tun wir gerade.
Was nicht heißt, Dinge zu tun, die sich nicht gut anfühlen. Es ist vielmehr immer wieder ein ausloten und auch ein Erkennen der eigenen Grenzen. Gerade haben wir viele Grenzen für uns als Familie geöffnet und setzten gleichzeitig Neue an einer anderen Stelle.
Ich sitze hier, die Kinder und eine große Rotte freilaufender Schweine springen um mich herum. Die Kinder führen laute, wilde Gespräche, lachen und sind einfach Kind und die Schweine grunzen und betteln nach Essen. Alles sehr lebendig also.
Gerade für diese Lebendigkeit bin ich zutiefst dankbar.



Gleichzeitig beschäftigen mich viele Gedanken über Gespräche, die wir mit anderen Reisenden geführt haben. Es sind viele Familien unterwegs, die ihr Zuhause aufgegeben haben und in Deutschland alles verkauft und aufgelöst haben. Viele sind schon Jahren im Wohnmobil unterwegs und lachen, wenn wir erzählen, dass wir jetzt die 5te Woche unterwegs sind. Was in den Gesprächen jedoch sehr schnell sichtbar wird, ist die Suche. Alle Familien sind irgendwie auf der Suche. Oft auf einer Suche nach einem unklaren Ziel, nach einer neuen Heimat fern vom alten System und hin zu einem freieren, selbstbestimmteren Leben, möglichst in Gemeinschaft.
Es hat uns sehr nachdenklich gestimmt und zugegeben auch etwas mutlos werden lassen.
Denn all die Familie, die schon sooo lange auf der Suche sind und teilweise schon einige Konzepte und Gemeinschaften ausprobiert haben, wissen auch keinen Rat und suchen weiter.
Auch wir sind als Suchende losgefahren. Wir waren auf der Suche nach anderen, gleichgesinnten Menschen, mit denen wir eine Gemeinschaft aufbauen können.
Bis ich eine Erkenntnis hatte.
Ich zog eine Tarotkarte, mit der Frage nach einem klaren Hinweis, wie es weitergeht.
Heraus fiel die Karte der Liebenden und diese Zeilen haben etwas in mir bewegt und wachgerüttelt:
‚Was uns unwiderstehlich an einem anderen Menschen anzieht, sind Aspekte unserer selbst, mit denen wir uns vereinigen wollen. Sie drängen danach, ins Bewusstsein gehoben und entwickelt zu werden. In der Regel spiegelt der Partner die eigenen unterentwickelten und ungelebten Seiten. Das, was wir in uns selbst vermissen, suchen wir im anderen. Glückseligkeit, die er verzweifelt beim anderen zu finden hoffen, ist zuerst im Inneren zu entdecken.Jede uns bewegende Unruhe, jede Unzufriedenheit, die uns zu einem Partner drängt, entspringt der Suche nach wirklicher Ruhe und tiefem Frieden.’ (aus dem Buch TAROT Spiegel der Seele)
Für uns selbst sehe ich diese Worte in Bezug auf unsere bisherige Suche nach einer Gemeinschaft so:
Ich stellte mir die Frage, was wir denn eigentlich suchen und was wir glauben in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen zu finden? Die Antwort schwang sofort und klar in meinem Feld.
Die Suche nach etwas im Außen ist die falsche Herangehensweise, vielmehr dürfen wir den Ort in uns suchen, an dem wir all das finden, was wir bisher im Außen gesucht haben.
Wir suchen wahre Verbundenheit, Ruhe und Gemeinschaft und dachten, mit den ‚richtigen’ Menschen an unserer Seite, dies zu finden.
Alles was wir suchen, dürfen wir jedoch erst in uns selbst finden und integrieren. Wir dürfen zuerst in die wahre Verbundenheit zu uns selbst gehen und uns selbst immer intensiver zuhören. Wir dürfen beginnen, unser Leben genau so auszurichten, wie es unsere Herzensstimme flüstert. Wir dürfen uns wieder in der Tiefe unseres Selbst erleben und alles was an Gefühlen in uns ist, fühlen. Wir dürfen, ja müssen sogar endlich zu 1000% ehrlich zu uns selbst sein und aufhören uns etwas vorzumachen – irgendwelchen Illusionen hinterher zu laufen. Erst die eigenen Bedürfnisse decken, bevor wir anderen etwas geben können, nicht umgedreht. Denn aus leeren Töpfen kann nichts gegeben werden.
Was soviel heißt, dass es wahrscheinlich voll nach hinten losgegangen wäre, wenn wir ohne erst bei uns zu sein, etwas im Außen aufbauen. Gemeinschaft beginnt in jedem von uns selbst.
Wie sehr bist du wirklich mit all deinen Teilen verbunden? Kannst du die Stimme deines Körpers hören und verstehst du sie auch und weißt du, wo deine energetischen Grenzen sind?
Für uns bedeutet es nun, diese Worte von der Verstandesebene nun eine Ebene tiefer zu bringen und die Energie der Worte zu fühlen.
Wir haben verstanden, dass nichts im Außen unsere innere Leere füllen kann und uns der Versuch es doch dadurch zu füllen, nur noch mehr Energie ziehen würde.
Für mich persönlich bedeutet dieses Wissen, dass ich mir noch mehr zuhören darf und all die Ablenkungen im Außen für den Moment minimiere, um die Stimme meines Herzens noch klarer verstehen zu können.
Für diesen Prozess haben wir uns etwas in die Berge zurückgezogen und einen wundervollen Ort gefunden an dem wir einige Tage sein können.
Der Duft der beiden Orangenbäume, die zeitgleich Blüten und Früchte tragen, hüllt das gesamte Grundstück hier ein. Es ist ein Ort, der von sehr lieben und achtsamen Menschen errichtet worden ist und an dem der Lärm der Gedanken der letzten Zeit zur Ruhe kommen kann.
Ja es ist wahrlich eine Reise zu uns selbst. Wir lernen uns noch intensiver kennen, auch wenn wir geglaubt haben, alles schon von einander zu wissen. Wir sind demütig unseren leuchtenden Seelen gegenüber und offen für Wunder. Wir beenden unsere Suche und richten unseren Blick nach innen, denn dort ist ALLES und noch mehr zu finden.
Sei auch du offen für Wunder in deinem Lebe und lausche….der Stimme deines Herzens.
Von offenem Herz zu offenem Herz
Kristin