Wir haben Oktober und die Zeit des Rückzugs beginnt ganz langsam. Die Natur bereitet sich auf ihren Winterschlaf vor und auch wir Menschen ernten die letzen Früchte des Sommers, trocknen die letzten Kräuter und decken uns mit Geschenken der Natur für den Winter ein. Holz wird gestapelt, Apfelmus gekocht und die dickeren Pullover aus dem Schrank geholt.
Auch wenn ich Anfang des Jahres dachte, wir seien als Familie im Herbst und Winter wieder im Süden, hat sich unser Leben in den letzten Wochen anders gezeigt und gestaltet. Wir sind hier und genießen die ersten Herbstwinde und sitzen abends gemeinsam vorm Kamin und kuscheln uns zusammen.
Mein Opa sagte früher schon, dass alles zwei Seiten hat und ich sehe die Welt und unser Leben gern von der schönen Seite. Ein Teil in mir trauert natürlich den warmen Nächten und den warmen Sonnentagen hinterher und möchte sehr gern im Meer baden, jedoch liegt mein Fokus auf den Geschenken des Herbstes und des kommenden Winters. Nichts versucht mir einzureden, dass durch die längere Dunkelheit des Tages Depressionen und Schwermut Einzug halten. Denn in vielen Gesprächen höre ich genau das!!! Sätze wie: ‚Jetzt kommt die dunkle Zeit, da gehts mir immer so schlecht…‘, oder: ‚Immer im Herbst bin ich traurig…‘. Ich frage mich wozu wir das tun sollten? Um uns unser Leben noch anstrengender zu machen?! Wäre es nicht eigentlich so einfach!?
Bitte, bitte hör auf dir dies selbst einzureden. Natürlich haben die Sonnenstunden abgenommen und die Medien um uns herum werben fleißig mit Stimmungsaufhellern und Co und forcieren eine globale Depression. Du allein entscheidest jedoch wie du dich fühlen möchtest!!!
Möchtest du in dieses dunkle Feld eintauchen oder in deinem eigenen, lichtvollen Feld leben?
Jeder einzelne entscheidet wie er sich fühlen möchte und wie sein Erleben des Alltags ist. Ich kann die Arbeit hinter dem fallenden Laub sehen, oder die vielen bunten Blätter bestaunen und mit geschlossenen Augen hindurchlaufen und das Rascheln genießen. Ich kann mich ärgern über die frühe Dunkelheit, oder ich genieße die Wärme des Feuers im Ofens und lese dabei ein gutes Buch. Ich möchte dich einladen es auch einmal zu versuchen und in einer Situation, in der du dich über etwas ärgerst, die schöne Seite daran zu sehen und den Fokus darauf zu legen.
Wir können nur etwas bewegen, wenn wir es selbst tun und bei uns beginnen.
Wenn der Rückzug der Natur beginnt, beginnt er auch bei uns Menschen, wir haben nur verlernt auf die zarten Stimmen und Hinweise unseres Körpers zu achten und rennen weiter und weiter, bis wir erschöpft am Ende des Jahres unterm Weihnachtsbaum sitzen und noch nicht einmal diese Zeit genießen können, denn da sind noch so viele Gedanken im Kopf, was noch zu Tun ist oder was nicht geschafft wurde.
Die Erde und ihre Energie lädt uns ein, jeden Schritt etwas bewusster und langsamer zu gehen.
Statt zu hetzen, lauf langsamer und bestaune die kleinen Dinge am Wegesrand und im Alltag.
Wenn ich von Rückzug spreche, kommt auch automatisch das Wort Reflexion dazu.
Die eigentliche Zeit dafür ist erst Anfang Dezember zur Zeit der Speernächte. Hier führten die Menschen damals Rückschau und schlossen so langsam die Türen des alten Jahres, um in den Rauhnächten das Neue Jahr zu kreieren und einzuladen.
Auch wenn bis dahin noch einige Zeit vergeht, möchte ich dennoch schon jetzt diese Zeit in Erinnerung rufen. Denn auch in diesem Jahr werde ich eine Begleitung währende der Rauhnächtet anbieten. Jedoch wird sie sich von den letzen beiden Jahren unterscheiden, denn sie wird in einem deutlich kleinerem und geschützterem Rahmen stattfinden. Mir ist die Verbindung untereinander in diesem Jahr so wichtig geworden, dass ich eine weitere, unpersönliche und anonyme Begleitung während der Rauhnächte nicht wieder anbieten werde.
Ich wünsche mir eine Gruppe, die gemeinsam durch diese Zeit geht und sich gegenseitig ermutigt und unterstützt. Eine Gruppe mit offenen und ehrlichen Menschen, die keine Angst haben sich von ihrer verletzlichen Seite zu zeigen, sondern sich für gemeinsame Heilung und Transformation zu öffnen. Die Zeit ist definitiv vorbei, in der jeder allein in seinem stillen Kämmerlein alle Sorgen und Probleme, alle Schmerzen und Entwicklungsschritte tragen musste.
In den ersten beiden Vernetzungstreffen zu den Monden, zeigte sich, dass es eigentlich jedem sehr ähnlich geht und er nicht allein ist mit seinen Themen.
Deshalb möchte ich einen Raum während der Speernächte und Rauhnächte eröffnen, in dem auch diese Themen geteilt und geheilt werden können und echter, ehrlicher Austausch zwischen Menschen, die sich mit der Zeit kennen lernen, stattfindet. Unsere Welt, in der jeder glaubt allein zu sein, darf und muss sich in echte und liebevolle Verbindungen verändern. Gemeinsam satt einsam!
Auch fühlte es sich für mich im letzten Jahr nicht gut an, all die Energie, die ich in die Begleitung investiert habe, ins unpersönliche Off zu geben und kaum eine Rückmeldung zu bekommen.
Wenn du also nur mitlesen, konsumieren und unverändert dein Leben allein weitergehen möchtest, bist du hier nicht mehr richtig. Mir geht es um ehrlichen Austausch und echte Menschen, die den Mut haben, echte Verbindungen einzugehen.
Wie genau die Begleitung aussehen wird, kommt in einem andern Beitrag.

Lass dich nicht umwerfen von all den wilden Energien im Außen. Auch wenn es laut, stürmisch und ungemütlich wird…es ist unsere Entscheidung ob wir unsere Aufmerksamkeit auf den dunklen Teil des Lebens legen oder auf den schönen und lichtvollen!
Auch darf ich gerade erleben, wie viel Halt die Familie – unsere Wurzeln uns geben. Hier dürfen wir von alten Gedanken wegkommen, in denen wir alles alleine meistern wollen um anderen zu beweisen, dass wir richtig und stark sind. Manchmal stürzt etwas über einem zusammen (zumindest will uns unser Quatschkopf das einreden) und wir dürfen die Erfahrung machen, dass wir zu keiner Zeit allein sind, sondern gemeinsam Lösungen finden. Ich möchte euch heute ermutigen euren Stolz wegzulegen und in schwierigen Zeiten andere um Hilfe zu bitten. Niemand ist allein, wir glauben das nur. Auch wenn du keine Familie hast, wird es Menschen in deinem Leben geben, denen du wichtig bist und die für dich da sind. Wir dürfen uns gegenseitig in wilden Zeiten halten und gemeinsam lachen oder auch mal weinen. Jedoch haben auch diese Zeiten zwei Seiten – welche wollen wir sehen? Manchmal ergeben sich aus einem anfänglichen Problem ganz ungeahnte Möglichkeiten und wir kommen dadurch in ein Tun, welches uns wieder in die richtige Richtung schubbst. Ihr wisst doch, nichts passiert ohne Grund, alles folgt einem magischen Plan – lasst uns diesem vertrauen und die Schätze hinter allem sehen.
Durch die gebende und empfangende Liebe im Miteinander, zeigt sich unser Licht, welches sich verbindet und all die Felder um uns herum zum leuchten bringt.
Kaya – Kristin